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AUF DEN SPUREN DER BURGGESCHICHTE

Die Anfänge der Burg von Litoměřice sind ungewöhnlich verwickelt und der Weg zur heutigen Form der Burg war langsam und abwechslungsreich. Mithilfe von verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen – Geschichte, Baugeschichte und Archäologie – entdecken wir mindestens einige Momente der Geschichte und der Ausgestaltung der Burg und den Lebensstil der Burgbewohner. Die Burg bestand aus dem Palast und den Wirtschaftsgebäuden und wurde von selbstständigen Schanzmauern geschützt. Heute können wir von den Gebäuden des Areals nur noch den Palast erkennen, der selbst als „die Burg“ bezeichnet wird.

Anfänge der Burg

Als Zentrum der königlichen Macht und der Repräsentation entsteht unter der Herrschaft von Wenzel II. (1283-1305) eine Burg an der nordwestlichen Ecke der Festungsmauer von Litoměřice. Damals war die heutige Stadt kleiner (ihre Nordgrenze verlief durch die heutige Okružní Straße) und wahrscheinlich komplett bebaut. Da für die Burg kein Platz innerhalb der Stadt war, wurde sie außerhalb der Stadtmauer gebaut und erst viel später, bei der Erweiterung von Litoměřice in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde sie in den Organismus der Stadt eingebunden und bildete eine selbstständige Festung bei der südöstlichen Stadtmauer. Von der ehemaligen Burg kennen wir nur das Fundament der westlichen Wand des Objektes, bei der man nicht weiß, wie sie eigentlich aussah, und die Abfallgrube mit Keramik- und Glasbehältern, die aus Sachsen importiert wurden. Der König Wenzel II. hat die Burg nie fertig gebaut. Die Burg wurde erst unter der Herrschaft Von Johann Von Luxembourg (1310-1346) fertiggebaut. Der König Johann ließ vor dem Jahr 1320 die malerische Burg „Kamýk“ und die imposante Burg „Střekov“ in der Umgebung von Litoměřice erbauen und baute wahrscheinlich auch in dieser Zeit die Burg Litoměřice, von der heute nur ein Torso erhalten blieb.

Neue Gestaltungsform der Burg

In der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts kam es zu einer wesentlichen Erweiterung der Burg, und zwar um den Palast, der vor der westlichen Mauer im ehemaligen Zwinger zugebaut wurde und der bis heute den markantesten Rest der Burg darstellt. Man weiß zwar nicht genau, ob der Palast von Johanns Sohn Karl IV. (1346-1378) oder erst von seinem Nachfolger Wenzel IV. (1378-1419) gebaut wurde, vorläufig setzt man aber voraus, dass mit dem Bau Karl IV. begann, und dass der Palast von seinem Sohn Wenzel fertig gebaut wurde. Was man aber mit Sicherheit sagen kann, ist, dass er zu den weltlichen Spitzenbauwerken seiner Zeit gehörte. Heute ist nur das durch spätere Anpassungen beschädigte Umfangsskelett erhalten.

Erste schriftliche Erwähnung der Burg

In der Zeit von Karl IV. wird die Burg von Litoměřice endlich auch in den historischen Quellen erwähnt. Am 7. Mai 1359 erlässt der Kaiser in Prag eine Urkunde für die Einwohner der Stadt Litoměřice. In dieser Urkunde genehmigt er den Ältesten und den Ratsherrn der Stadt, dass sie auf dem Hügel namens Radobýl und den benachbarten Hängen Weinberge gründen. Noch im September des gleichen Jahres kam auch der Imperator nach Litoměřice. Seinen Besuch wiederholte er im Dezember 1369. 

Während diese Erwähnungen in den Analen bezüglich der Burg Litoměřice unbestimmt sind, ist das in Prag am 2. Mai 1387 verfasste und deutsch konzipierte Schreiben des Sohns von Karl, Wenzel IV., sicherlich interessanter. In diesem Schreiben gibt dieser böhmische und römische König den Brüdern Kunat Kaplíř aus Sulewitz, seinem Münzmeister und Rat und seinen Brüdern Johann und Georg sowie deren Erben die Burg Litoměřice zusammen mit allen Rechten und Genüssen ins Lehen und behält sich vor, dass die Burg für ihn und die zukünftigen böhmischen Könige offen bleibt. Wie die Urkunde, die von Wenzel IV. am 29. Januar 1397 in Prag für „Elzbeten Markgräfin zu Meisen“, sog. Meißener Gräfin erlassen wurde, andeutet, dauerte die „Vermietung“ an die Sulewitzer nicht länger als zehn Jahre, ob sich die Markgräfin in Litoměřice wirklich aufhielt, wissen wir jedoch nicht.

Mehr interessant ist für uns jedoch die Erwähnung von einer anderen Urkunde aus demselben Jahr, und zwar vom 28. Juli 1397, die Wenzel IV. für die Einwohner der Stadt Litoměřice in Prag verfassen ließ. Hier legt er fest, dass sie zur Gemeinde Litoměřice die Ortschaft einschließen, in der der Hof vor unserer in Litoměřice stand („die hofstete vor vnser vesten czu Luthmericz gelegen“) und dass sie diese Ortschaft bebauen können. Der König behielt sich jedoch vor, dass er ihnen die erwähnte Ortschaft jederzeit entnehmen kann, wenn er die Burg erweitern und befestigen („die egenanten vesten vnd graben“) und in der Burg persönlich wohnen möchte. Diese Erwähnung ist wichtig, da sie uns zeigt, dass bei der Burg neben dem eigentlichen Kern auch ein Wirtschaftshof stand, der wahrscheinlich auch befestigt war.

Während der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde der nordwestliche Zylinderturm zerstört, an dessen Stelle die nach innen offene Bastion entstand, welche die zeitgenössischen militärischen Anforderungen besser erfüllte. An die massive Erweiterung der Schusswaffen wurde auch die Mauer angepasst, die einen neuen Zinnenkranz bekam. Die Durchsichten in der Zinnenkranzverzahnung wurden mit Balken ausgestattet, an die der Arkebusenschütze den Haken seiner Waffe stützen konnte. Am 14.-17. Oktober 1420 und von dem 19. Dezember des gleichen Jahres ca. bis zum 19. Februar 1421 hielt sich in Litoměřice der Bruder von Wenzel, Kaiser Siegmund, auf.

Niedergang des Ruhms der Burg

In dieser Zeit diente die Burg jedoch immer weniger ihrem Zweck. Nach unserem Wissensstand beauftragte Wenzel IV. zwar noch die Gebrüder Kaplíř von Sulewitz mit der Reparatur der Burg, gleichzeitig trat er aber der Stadt den Bauernhof ab, der die Burg versorgte. Vladislav II. Jagello (1471-1516) trat dann der Stadt die ganze Burg ab, damit sie sie nach ihrem Bedarf nutzt. Jedoch damit, dass sie einen Raum errichten, in dem der Wein aus den königlichen Weinbergen gelagert werden kann. In den Jahren 1505-1513 bauten die Bürger von Litoměřice radikal die Stadtbefestigung um und die Burg wurde in dieser Zeit mit höchster Wahrscheinlichkeit definitiv in die Stadtmauern eingegliedert.

Die Räumlichkeiten der Burg dienten dann zu Lagerzwecken und dann auch als Brauerei. Die Burg wurde dadurch nur zu einem Wirtschaftshof „degradiert“, der zum Hof in Keblitz gehörte (dieser war seit dem 13. Jahrhundert das Verwaltungszentrum der Landeshöfe in Litoměřice). In der Neuzeit wurden die Burggebäude im schlimmsten Fall komplett abgerissen, im besseren Fall umgebaut. Die Burg wurde am meisten durch den Zahn der Zeit, aber auch durch einen Brand beschädigt, der die Burg zweimal traf, und zwar am 11. Januar 1665 und am 4. März 1685. Die Brandspuren konnte man im Palast bis zur heutigen Verputzung des Mauerwerks sehen. Die Stadt reparierte dann nur die Wirtschaftsgebäude, der Palast blieb als Ruine. Die letzten großen Bauänderungen stammen aus der Zeit des Klassizismus, in der der große Palast für Zwecke der Brauerei adaptiert wurde. Wir lassen dabei die beiden letzten Bauänderungen beiseite, von denen insbesondere die aus der Endphase der kommunistischen Zeit an der Gestalt der Burg unverwischbare Wunden hinterließ. Es stimmt jedoch, dass eben in dieser Zeit das hohe Dach des Palastes neu gebaut wurde, das zum nicht überschaubaren Element der Stadtsilhouette mit zweifellos hohen ästhetischen Maßstäben wurde. Trotzdem kann man die Burg immer noch gut in ihrem Ruhm sehen und ersichtlich sind auch die Schicksale ihrer Eigentümer.

Die Burg im 18.-21. Jahrhundert

Die neue Etappe der Burgexistenz kam in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, und zwar im Zusammenhang mi dem Havariezustand der Brauerei, die der Stadt gehörte und durch den Bauernhof in Keblitz verwaltet wurde. Dort hatte die Stadt Litoměřice schon seit dem 13. Jahrhundert als Eigentümer einer Reihe von Grundstücken und Dörfern in ihrer Umgebung das Verwaltungszentrum der Landeshöfe. Aufgrund des Zustands der Brauerei in Pokratice musste man nach einer anderen Lösung suchen und gewählt wurde die Adaptierung der Räumlichkeiten der ehemaligen königlichen Burg. Im Burgpalast wurden dann in der Zeit vom Oktober 1786 bis Dezember 1787 die Mälzerei, im westlichen Nachbargebäude dann das Sudhaus und die Lagerräume errichtet. Die für die Brauerei genutzten Räumlichkeiten  wurden fast bis Ende des 19. Jahrhunderts schrittweise baulich angepasst. Das Burggelände diente als Mälzerei oder als Malzlager wahrscheinlich noch in den 30. Jahren des 20. Jahrhunderts. Hier ist zu bemerken, dass es zwei Brauereien in Litoměřice gab. Eine gehörte der Stadt (der Gemeinde) und stand in Pokratice, die zweite (auf dem Platz Tyršovo náměstí) war im Besitz der Bürger mit dem Bierbraurecht. Gegen das Jahr 1720 bildeten sie die Gesellschaft „Brauberechtigte Bürger“ und begannen das Bier zusammen zu brauen.

Zeit der Suche nach sinnvoller Ausnutzung

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Zeit der Suche nach der neuen Ausnutzung der Burg. Anfang der 50er Jahre plante man die Errichtung eines Pionierhauses und seit Ende der 60er Jahre dann – nachdem auf die Baumaßnahme in der Parkanlage „Jiráskovy sady“ verzichtet wurde – den Bau eines Kulturhauses. Im Palastgebäude sollten die Haupträumlichkeiten und anstelle des Sudhauses (Speicher, später Feuerwache) sollte ein Objekt mit der Betriebseinrichtung gebaut werden. Mit der Planung wurde das Staatsinstitut für Rekonstruktionen der denkmalgeschützten Städte und Objekte (SÚRPMO) in Prag beauftragt und im Jahr 1971 erfolgte eine bau-historische Erkundung, die im Jahr 1983 ergänzt wurde. Der Autor PhDr. Ing. Jan Muk erörterte die bis zu dieser Zeit übersehenen Werte des Burgpalastes und entdeckte auch die Burgkapelle, die unter den klassizistischen Baumaßnahmen versteckt war. Er erstellte auch die Rekonstruktionszeichnungen der Burgkapelle, des Eingangsportal, der Hauptstirnwände usw. Er entwarf auch ein neues Dach des Palastes, dessen Form sich aus den Analogien der gotischen Bauwerke in Böhmen und in der Slowakei ergibt. Nach diesem Entwurf wurde auch das Projekt erstellt und im Jahr 1987 wurde das Dach von der Firma Armabeton Praha gebaut. In dieser Zeit erfolgte auch die statische Fixierung des Objektes, die vor allem in der damals ganzstaatlich modernen Injektion des Zementmörtels in die sonst starken Mauern, in der Betonbeschichtung einiger Gewölbe und der Raupenverfugung des historischen Mauerwerks bestand. Das war eigentlich der erste Schritt, mit dem die unwiederbringliche Austilgung der historischen Spuren begann. Im Frühjahr 1971 wurde das Halbwalmsatteldach abgerissen und durch ein provisorisches niedriges Dach aus Stahlfachwerkträgern ersetzt. Für die Benutzung der Burg als Kulturhaus wurden mehrere Varianten ausgearbeitet. Die Wende kam zum Wechsel der 70er und 80er Jahre, nachdem die damalige Kulturabteilung des Kreisnationalausschusses in Litoměřice die Investition übernahm. Zur Priorität wurde der Bau eines neuen Kulturhauses anstelle des damaligen Sudhauses und Speichers. Das Projekt wurde von Stavoprojekt Liberec (Ing.Arch. Švancar) erstellt, wobei die eigentliche Burg eine Nebenrolle spielte. Der Bau des Kulturhauses wurde im Jahr 1991 beendet. Damit die Burg eine „würdige Kulisse“ zum Neubau des Kulturhauses darstellte, wurden die Fassaden „kultiviert“, was der nächste, jedoch nicht der letzte Schritt in der Austilgung der historischen Spuren war. Z.B. einige originale gotische Laibungen wurden durch neue Sandsteinlaibungen ersetzt, die anderen Laibungen wurden mit vollflächigem Putz verdeckt. Gleichzeitig wurde ein Teil der klassizistischen Konstruktionen im Innenraum abgerissen. Dank des soliden Dachs überstand die Burg trotzdem ohne weitere Eingriffe mehrere Jahrzehnte.